Hypothetischer Patientenwillen

Hypothetischer Patientenwillen

Der hypothetische oder auch mutmaßliche Wille bezeichnet einen hilfsweise angenommenen Willen. Dieser Wille ist dann heranzuziehen, wenn der wirkliche Wille des Geschäftsherrn nicht ermittelbar ist. Medizinrechtlich ist der hypothetische Wille von großer Bedeutung. Auf ihn muss zurückgegriffen werden, wenn der Patient nicht ansprechbar und damit nicht einwilligungsfähig ist. Als Beispiel sei hier eine Komplikation bei einer Operation genannt, welche schnelle Maßnahmen erfordert, der Patient allerdings keine Einwilligung abgeben kann, da er in Narkose liegt.

Falls sich der mutmaßliche Wille trotz größter Sorgfalt nicht ermitteln lässt, so muss auf Kriterien der allgemeinen Wertvorstellung abgestellt werden. Behandelt ein Arzt einen Patienten entgegen dessen hypothetischen Willen, so erfüllt er den Tatbestand der Körperverletzung. Eine solche Behandlung stellt beispielsweise das einfache Missachten einer Patientenverfügung dar.

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